Circular Instant

2019

Ausstellungstext von Annick Bosson und Peter Fischer.

Das Ausstellungsprojekt «We Are The Lion» verhandelt u.a. die Rezeption des Luzerner Löwendenkmals. Hierfür entwickelt Fernando Obieta innerhalb seiner künstlerischen Praxis eine Arbeit, welche sich mit der Dissonanz zwischen den Erfahrungen von Touristen/Auswärtigen an einem solchen Ort und denjenigen der einheimischen Bevölkerung befasst, sowie damit, welchen Einfluss diese Dissonanz auf den Ort selbst und die lokale Gesellschaft hat.

In Zeiten der digitalen weltumspannenden Kommunikationsmöglichkeiten machen viele Menschen ihre individuellen Erfahrungen nicht mehr alleine, sondern verbunden mit einem Publikum – zusammengesetzt aus Kollegen, Freundinnen, Familie und auch nicht persönlich bekannten Leuten – auf verschiedenen digitalen sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram, die es den Nutzern ermöglichen, ihre Erfahrungen sehr breit zu streuen und zu teilen. Im Vordergrund steht nicht mehr die Erfahrung per se, sondern ebenso sehr, wie das einzelne Individuum mit der Erfahrung von Mitmenschen assoziiert und von diesen bewertet wird. Was als soziales Kapital des oder der Einzelnen verstanden werden kann, wird für die Öffentlichkeit sichtbar und teilweise auch quantifizierbar. Als zentrales Medium fungiert dabei insbesondere die Fotografie.

Obieta arbeitet in seinem Ausstellungsbeitrag bewusst mit der sozialen Plattform Instagram. Sie ist dafür bekannt, dass die meisten Nutzer und Nutzerinnen sich deren Privatsphäreneinstellungen nicht zunutze machen. Ihre Bilder sind somit öffentlich zugänglich. Der Künstler greift auf API (Application Programming Interface) zu, eine Schnittstelle, die Instagram bereitstellt, um die neusten Bilder mit spezifischen Hashtags und örtlichen Angaben abzugreifen.

Die so gewonnene Ausbeute macht Obieta mittels einer interaktiven Installation in der Ausstellung zugänglich. Die Wahl der Bilder erfolgt ausschliesslich via Algorithmen. Es gibt keinen kuratorischen Eingriff, denn die Authentizität derselben soll in den Fokus gerückt werden. Auch dienen die Bilder weder einer besonderen Kritik noch marketingtechnischer Vorführung. Vielmehr sollen sie durch ihre Neukontextualisierung im Kunstraum und mittels der hier blossgelegten unterschiedlichen visuellen Beschaffenheiten von der Plattform selbst abgegrenzt werden. Kurzum: Sie ermöglichen einen anderen Blick auf die Erfahrungen dieser Menschen.

Die technische Umsetzung im Ausstellungsraum kommt als Doppelprojektion daher: Ein Bild des Löwendenkmals einheimischer Urheberschaft und eines mit vermutetem touristischem Background sind parallel zu sehen. Die Bildersuche im WWW und die Steuerung erfolgen einerseits durch einen vom Künstler programmierten Algorithmus, andererseits durch das Publikum, bzw. den Geräuschpegel im Ausstellungsraum; er steuert das Tempo der Bildabfolgen und zugleich einen leeren, ständig im Kreis laufenden Karusselldiaprojektor, hörbarer Taktgeber aus vergangenen analogen Zeiten.


Mit herzlichem Dank an:
Roger Bachmann, Annina Boogen, Annick Bosson, Peter Fischer, Simon Fischer, Luke Franzke, Mara Güntensperger, Patrick Müller, Martin Riesen, Michael Sutter und Irene Vögeli.


Bilder von Kilian Bannwart

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